Eine Präsenz-Veranstaltung des Vereins LutherLAB in der alten Bochumer Lutherkirche.

Eine Kirche für alle

Alte Kirche wird zum Experimentierraum für Bürger*innen

Mehr als fünf Jahre stand die Lutherkirche in Bochum-Langendreer nach ihrer Entwidmung leer. 2017 kehrte das Leben in den denkmalgeschützten Kirchenbau zurück: Beim „Festival der Urbanen Produktion – Langendreer selbermachen“ wurde er Veranstaltungsort für Workshops, Vorträge und Veranstaltungen zu nachhaltigem Leben und Arbeiten. Das regte auch die Diskussion um die Kirche und was mit ihr passieren soll wieder an und eine Initiative von Menschen aus dem Stadtteil beschloss, die Kirche für das Quartier und die Region zu erhalten und sie für alle Bürger*innen zu öffnen. Daraus entstand der Verein LutherLAB, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW.

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

Ziel von LutherLAB ist es, die Lutherkirche im Sinne sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Zwecke mit verschiedenen Aktivitäten weiterzuentwickeln. Das Konzept beinhaltet ein „Haus der Geschichte“, ein „Haus der Gegenwart“ und ein „Haus der Zukunft“. Im „Haus der Geschichte“ beschäftigen der Verein mit der Vergangenheit des Stadtteils. Das „Haus der Gegenwart“ ist der zentrale Treffpunkt für die Quartiersarbeit und die Bürger*innen des Stadt-teils. Das „Haus der Zukunft“ hat die Themen nachhaltiges Leben und Wirtschaften als Schwerpunkt. Bis März 2020 wurden – zum Teil in Kooperation mit Bildungseinrichtungen – 175 Veranstaltungen initiiert, darunter Stadtteilkonferenzen, Tagungen, Flohmärkte, Ausstellungen, offene Treffs und Workshops.

Nachhaltigkeit im Fokus

Ein thematischer Schwerpunkt liegt auf dem Thema Nachhaltigkeit. In einer Ausstellung zu nachhaltigem Wirtschaften wurden zum Beispiel Projekte wie solidarische Landwirtschaft oder ökologische Bierbrauerei vorgestellt. Im Januar 2020 taten sich Menschen aus dem Stadtteil über den Verein zusammen, um gemeinsam Wege zu finden, wie man im Alltag konsum-reduziert und nachhaltiger leben kann. Familien, Paare und Einzelpersonen tauschen sich untereinander aus, wie man zum Beispiel Müll vermeiden kann. Das Angebot ist als offener Treff angelegt, so dass Teilnehmer*innen jederzeit dazu stoßen oder aussteigen können. Es hat in Präsenz bekommen und läuft seit Beginn der Corona-Pandemie online weiter.

Quartiersarbeit im Lockdown

Auch andere Angebote konnten im ersten und zweiten Lockdown online fortgesetzt werden, was im Stadtteil sehr gut angenommen wurde. Im Sommer wurden viele Angebote einfach nach draußen verlagert. Trotz Corona nahmen 2020 fast 600 Teilnehmer*innen die Angebote von LutherLAB wahr. Das soll auch 2021 so weitergehen. Außerdem erarbeitet der Verein einen Strategieprozess für die Kirche, um Gelder zu akquirieren. Denn bis 2023 muss es der Verein gemeinsam mit dem Engagement der Bürger*innen schaffen, die Betriebskosten zu übernehmen. Die etwa 20 Helfer*innen des Vereins engagieren sich größtenteils ehrenamtlich und betreuen die verschiedenen Angebote für das Quartier, unter anderem die Garten-AG oder den Erzählkreis „Geschichten um den Stadtteil“. Der Verein organisiert – in Kooperation mit anderen Einrichtungen aus Langendreer oder Bildungsträgern – in der Kirche außerdem regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen, aktuell zum Beispiel den 14-tägigen Workshop „Ich, Du, Wir wollen wohnen“ zu alternativen Wohnkonzepten.

 

 

Bild: ©LutherLAB e. V.